Montag, 30. April 2018
San Giorgio
Gestern wurde in Modica das Fest des San Giorgio gefeiert. Giorgio ist der Schutzpatron der Stadt, weshalb jeder fünfte männliche Einwohner Modicas so heißt. Außerdem ist ihm der größte Dom der Stadt gewidmet. Natürlich steht dieser im oberen Teil der Stadt, hoch auf dem Hang, auf der Südostseite, sodass er den Großteil des Tages von der Sonne angestrahlt wird.
Und gestern wurde eben San Giorgio gefeiert.
Nach der Nachmittagsmesse haben sich gegen siebzehn Uhr gefühlt alle Einwohner der Stadt auf den Stufen vor dem Dom versammelt. Und es gibt eine Menge Stufen!
Ein Mann mit Glocke in der Hand hat Giorgio angekündigt. Und die Menge hat reagiert: Es klang, wie in einem Fußballstadion nachdem das Siegtor der Heimmannschaft gefallen ist. Es wurde gejubelt, geklatscht, geschrien. Das ganze ging irgendwann in ein rhythmisches „Gior-gio! Gior-gio! Gior-gio!“ über.
Zuerst wurden Fahnen aus der Kirche getragen. Ich weiß leider nicht, was für welche. Ich vermute, dass es irgendeine katholische Symbolik war, da es definitiv keine Landesflaggen und höchstwahrscheinlich keine Stadtwappen waren.
Dann kam Giorgio.
Eine Statue. Der Märtyrer auf einem weißen Pferd, zu seinen Füßen der erschlagene Drache. Die Szene auf einem geschmückten Podest das von Männern getragen wurde.
Von Konfetti und Feuerwerk begleitet ist Giorgio so ein paar Mal vor dem Dom hin und her gerannt (geritten?). Das ganze unter Gejubel der Menge.



Dann ging es für Giorgio einmal durch die Stadt. Da diese Prozession mehrere Stunden dauert, haben O und ich beschlossen, eisessen zu gehen.
Während des anschließenden Stadtspaziergangs haben wir gesehen, dass Leute oben auf dem Castello, der Burg, sind. Normalerweise ist die Burg für Besucher gesperrt, weshalb wir beide noch nicht oben waren. Also haben wir uns auf den Weg gemacht, die örtliche Burg zu erkunden.
Leider haben wir den Zugang zum Uhrenturm nicht gefunden. Dieser ist mehr Uhr als Turm und einer der höchsten und präsentesten Punkte in Modica. Stattdessen haben wir uns die Gebäude angesehen (die modern waren und genausogut überall anders hätten stehen können) und den Garten mit Felsen und wirklich alten Mauerresten.





Daraufhin hatten wir Hunger. Wir sind also wieder ins Tal gelaufen und haben Pizza gegessen. Dann war es Zeit, zum Dom zurückzukehren, wo Giorgio gegen elf wieder ankommen sollte.
Aber wie es sich für einen echten Sizilianer gehört war Giorgio zu spät. Fünfzig Minuten zu spät. Also haben wir gewartet.
Als er endlich da war, ging das Fußballstadiongejubel wieder los und hielt so lange an, bis das Feuerwerk auf der anderen Seite des Tales (dort, wo Mama und Papa mehrfach für Fotos angehalten haben, vielleicht haben sie davon erzählt) ein Feuerwerk losging. Ein wirklich schönes Feuerwerk. Es war so stimmig und gut konzipiert, dass ich das Gefühl hatte, auf der Pyronale zu sein. Nur ohne Musik.
Nach dem Feuerwerk wurde Giorgio in die Kirche getragen. Dort ist er mehrfach, von Mitgliedern der Kirchengemeinde begleitet, durch die Kirche gerannt (worden). Das alles natürlich unter großem Hallo.
Kurz vor halb eins haben wir die Menschenmassen und Essensstände hinter uns gelassen und sind nach Hause gegangen.



Mein Resümee (weil ich sowas anscheinend öfters mache):
- San Giorgio ist wie ein Stadtfest, das mehr auf Gemeinschaft als auf Verkauf abzielt
- Wenn man möglichst viele Menschen in möglichst wenig Zeit sehen will, ist San Giorgio eine ideale Gelegenheit.
- Wer auch immer eine Statue für mehrere Stunden durch eine Stadt die zu 95% aus Hängen besteht trägt, hat einen Orden verdient.
- Hier werden Kokosnüsse stückchenweise als Snack verkauft. Und damit sie nicht austrocknen werden sie unter kleinen Wasserfällen gelagert.

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