Sonntag, 11. Februar 2018
Marsala
Meine Kollegin M. hat mich und G. (eine andere Kollegin) letzte Woche eingeladen, mit ihr und ihrem Freund F. über das Wochenende nach Marsala zu fahren. Dort wollte sie Freunde aus Polen treffen, die zur Zeit durch Sizilien reisen.
Also haben wir uns am Samstagmorgen im verregneten Modica getroffen, wo wir uns ins warme Auto gesetzt haben und losgefahren sind.

Marsala befindet sich am westlichsten Punkt Siziliens, weshalb wir fast fünf Stunden unterwegs waren. Das lag jedoch weniger an der eigentlichen Entfernung, als viel mehr an der Geschwindigkeitsbegrenzung und der Einspurigkeit der „Autobahnen“.
Dafür war der Blick aus dem Fenster jede Extra-Minute wert! Wir sind immer in Küstennähe gefahren, weshalb wir ab und zu einen Blick auf das aufgebrachte Meer hatten. Der Regen hatte nämlich bald aufgehört, aber die Wolken und der Wind wollten einfach nicht verschwinden. Außerdem stehen auf vielen Hügeln und Klippen verlassene Gebäude, verfallene Kloster oder antike Tempel, was der Fahrt einen gewissen Reiseführer-Beigeschmack verliehen hat. Es war großartig!
In Marsala angekommen haben wir unsere Ferienwohnung in Betrieb genommen und die Stadt erkundet. Anstatt durch die Altstadt zu schlendern (wo am frühen Nachmittag eh alles geschlossen hat) sind wir am Meer entlanggegangen. Wir haben der Gischt zugesehen, wie sie über die Felsen springt und die Sukkulenten bestaunt, die auf dem Gestein wachsen.





Wir haben auch Sandstein gefunden, in den Muscheln „eingewachsen“ waren. Als der Stein entstanden ist sind scheinbar mehrere Muscheln intakt geblieben und werden nun von den Gezeiten freigespült. Sowas habe ich noch nie gesehen!
Wir sind durch einen Park, der im Sommer ein Caffeé sein muss zu einem der Stadttore Marsalas gegangen und durch die leergefegte Innenstadt geschlendert (Sizilianer sind keine Nachmittagsmenschen!)
In einer Bar (der einzigen, die offen war) haben wir Tee getrunken und Chips gegessen (das einzige, was man dort zum Mittag essen konnte), während wir auf M.s Freunde gewartet haben.
Als diese angekommen waren und ihr Gepäck in der Wohnung ablegen konnten, haben wir uns auf den Weg gemacht, ein Street Food Restaurant zu finden, dass uns von der Besitzerin der Ferienwohnung empfohlen wurde. Als wir es nach ca. 20 Minuten gefunden hatten hing dort ein Zettel an der Tür, der verkündete, dass der Laden bis Mitte März wegen Urlaub geschlossen war. Also haben wir im nächstbesten Imbiss Halt gemacht und dort unsere erste „vernünftige“ Mahlzeit gehabt.
Dann sind wir noch ein wenig durch die Stadt gegangen und haben uns dann in einer Bar niedergelassen, um den berühmten Marsala-Wein zu kosten.
Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Freund von Wein bin. Der Marsala ist aber so süß, dass es gar nicht schmeckt wie Wein. Der süße Pflaumenwein vom Chinesen ist Essig dagegen! Wir haben also an einem zum Tisch umgebauten Fass gesessen und geredet, gelacht und die Lokalspezialität genossen.
Zurück in der Wohnung haben wir uns an den Tisch im Wohnzimmer gesetzt und Karten und Scharade gespielt.
Weit nach Mitternacht haben M., G. und ich beschlossen, etwas zu Essen zu suchen und uns noch einmal in die Stadt begeben. Mit Pizza im Bauch sind wir dann in Richtung Strand gegangen. Dort konnte man das Meer zwar nicht wirklich sehen, aber noch hören. Der Wind war so stark, dass es sich angefühlt hat, als würden millionen winziger Nadeln auf einen einstechen. Also haben wir uns wieder in den Schutz der Häuser begeben und dabei eine Bar mit Livemusik entdeckt. Da wir aber ausreichend müde waren, sind wir nicht stehen geblieben sondern haben uns auf den Rückweg zur Wohnung gemacht.
Dort haben wir dann teenippend im Schlafanzug auf dem Sofa gesessen und geredet, bevor wir irgendwann eingeschlafen sind.

Am nächsten Morgen (Sonntag) haben wir ein schnelles Frühstück in der Küche genommen und sind dann ein Stück weiter nach Norden, in Richtung Trapani gefahren. Dort gibt es nämlich Salzfelder und -Mühlen, die wir uns ansehen wollten. Auf dem Weg dorthin sind wir an einer Gruppe Flamingos vorbeigefahren. Echte Flamingos! Wildlebende Flamingos! Also nicht wild im Sinne von Nasenring und Drachentattoo, sondern einfach freilebend. Die gehören niemandem. Ich dachte, sowas gibt es nur in der Karibik!



An den Salzfeldern konnte man nicht viel machen, außer gucken. Die Salzfelder, wo das Wasser so flach ist, dass es wegdunstet und nur das Salz übrigbleibt. Die Salzhügel, wo das unreine Salz zu länglichen Hügeln von ca. 3mx3mx6m aufgeschichtet wurde. Einige davon waren mit Ziegeln abgedeckt, damit das Salz nicht davonweht oder vom Regen weggespült wird, andere waren den Elementen ausgesetzt. Dann waren da noch die Salzmühlen, die kleiner waren, als deutsche Windmühlen und der Gegend einen niederländischen Touch verliehen haben.





Wir haben in der Gegend gepicknickt, Schafe und ihren Schäfer beobachtet, Dattelpalmen bestaunt und sind einen langen Steg auf- und abgelaufen.
Als wir genug Vitamin D getankt hatten (im Gegensatz zum Vortag hatten wir einen blauen Himmel mit Schäfchenwolken, die hin und wieder vor die Sonne gesprungen sind um uns vor Sonnenbrand zu schützen) haben wir uns auf eine Mission begeben: Zurück zu den Flamingos zu fahren und nah genug dranzukommen, um ein gutes Foto ohne unnötig viel Zoom machen zu können.
Also sind wir zurück in Richtung Marsala gefahren, wo wir auf halber Strecke das Auto abgestellt haben und uns zu Fuß und mit Kameras bewaffnet auf Flamingojagd begeben haben. Wir sind also auf den Wegen zwischen den Salzfeldern auf sie zugelaufen und mussten nur noch ein kleines Stückchen weiter, um nicht gegen das Licht zu fotografieren, da sind sie auf einmal weggeflogen. Einfach so. Bevor irgendwer ein Foto aus der Nähe machen konnte…



Zurück in Marsala haben wir in der gleichen Bar wie am Vortag Tee getrunken, bevor wir unsere Sachen gepackt und ein letztes Stück nordwestsizilianische Pizza gegessen haben.
Auf der Fahrt zurück nach Modica war es schon lange dunkel. Aber da wir bei klarem Himmel nach Südosten gefahren sind und ich auf der Beifahrerseite saß hatte ich beinahe die gesamte Fahrt über einen freien Blick auf den großen Wagen, der wie ein treuer Begleiter immer an meiner Seite blieb. Und dann der Mond! Der sah viel größer aus als sonst. Und statt dem üblichen Silber war er fast Kupferfarben. Dabei war der Supermond doch eigentlich am 31. Januar!
Kurz nach Mitternacht war ich zuhause, habe Mond und Sternen eine gute Nacht gewünscht und mich schlafen gelegt.

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