Donnerstag, 19. März 2020
Corona
Corona
Letzte Woche haben wir die Lage in Deutschland genau im Blick gehabt. In den Pausen haben wir deutschen Lehrer unsere Nachrichtenapps aktualisiert und gelesen, was gerade passiert. Schüler haben ihre Auslandssemester in Deutschland abgesagt und wer gerade von einem wiederkam musste samt Geschwistern in Quarantäne und darf offiziell das Schulgelände für 14 Tage nicht betreten. Am Freitag hatten wir eine Technikfortbildung auf der uns gesagt wurde, dass wir unseren Unterricht eventuell auch bald online halten müssen.
Dann bin ich über das Wochenende weggefahren. Eine Freundin aus der Schule hatte mit Freunden aus Kalifornien ein Haus am Meer gemietet. Die Freunde haben wegen Coronaquarantäne abgesagt und sie wollte nicht allein fahren. Also sind wir mit, das Haus war schon bezahlt und das Virus erstmal nur in den USA, Mexiko hatte offiziell erst 4 bestätigte Fälle, und dass auch nur in Mexiko City. Wir haben darüber geredet wie entspannt es wäre, wenn wir in der nächsten Woche nicht zwei Versammlungen hätten und keinen Unterricht. Da fanden wir den Gedanken noch absurd.
Am Samstag kam eine Mail. Am Mittwoch dem 18. wurde die Lehrerversammlung wegen Ansteckungsgefahr abgesagt. Ab dem 23. wird kein Unterricht mehr stattfinden. Wir waren baff. Dass das so schnell geht hätten wir nicht erwartet.
Am Sonntag waren wir am Meer, es war ein langes Wochenende also mussten wir noch nicht zurückfahren. Als ich aus dem Wasser kam haben mich die anderen Informiert, dass vor den Osterferien kein Unterricht mehr in der Schule stattfinden kann. Ich dachte es wäre ein Witz. War es nicht.
Am Montag sind wir zurückgefahren und konnten die Lage nicht einschätzen. War es schon so schlimm wie in Deutschland? Es gab zwei bestätigte Fälle in Guadalajara.
Am Dienstag in der Schule gab es eine kurze Informationsveranstaltung. Dann haben wir uns in Fachgruppen (Deutschlehrer, Mathelehrer etc) getroffen und die nächsten zweieinhalb Wochen geplant.
Nach dem Unterricht musste ich einkaufen gehen, weil ich außer einer halben Packung Nudeln, einem Rest Senf und einer Handvoll Bohnen nichts Essbares mehr zuhause hatte. Bisher gibt es außer Seifenspendern mit Flüssigseife noch alles zu kaufen, auch wenn das Rapsölregal leerer ist als sonst. Also kein Grund zum Horten.
Planmäßig sollten die Lehrer noch heute (Mittwoch) und morgen (Donnerstag) von 9:00 bis 13:00 Uhr in der Schule sein, aber das wurde beides heute gegen 10:30 Uhr abgesagt.
Jetzt müssen wir uns täglich bis 14:00 Uhr am Computer bereithalten, falls ein Kind uns eine Mail schickt. Wir dürfen nicht verreisen, falls doch spontan eine Versammlung angesetzt wird. Konzerte und andere Veranstaltungen werden landesweit abgesagt. Präventiv. Aus den Fehlern von China, Italien und Deutschland lernen, proaktiv sein.
Ich vermute, dass die Dunkelziffer hier sehr hoch ist. Vor allem in den Touristenorten, wo man sich den guten Ruf nicht verderben will und in den armen Gegenden, wo sich niemand einen Arzt leisten kann, erst recht nicht nur wegen Erkältungssymptomen.
Aber es gibt keine Panik. Sorge ja, aber keine Panik. Man kann noch Mundschutz kaufen, Desinfektionsmittel ist schon schwieriger zu bekommen. Man kann noch einkaufen gehen und alles finden (außer Flüssigseife eben).
Ich hoffe, die Irischen 15-Minuten-Tests verbreiten sich schneller, als das Virus und dass die Impfforscher schnell gute Ergebnisse haben.

Bleibt zuhause, bleibt auf Abstand, bleibt gesund.

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Donnerstag, 27. Februar 2020
Merida
Von Tulum ging es für uns nach Merida. auf dem einminütigen Fussweg zum Busbahnhof sind wir spektakulär nassgeregnet worden, aber wenigstens hatten wir unsere Tickets schon.
Wir sind nach Nordwesten gefahren, bis fast an die Küste, in eine Stadt, von deren Schönheit ich schon gehört hatte.
Am ersten Abend sind wir nur in unsere Unterkunft gefahren und haben den Jackpot erwischt. Wir sind durch ein großes Eingangstor durch einen Garten und in ein kleines Gästehaus geleitet worden. Von zwei wundervollen Geschwistern, die sich die Leitung teilen. Im Vorderhaus, das zum Garten hin offen war, stand ein großer Konzertflügel, auf dem der Bruder gern (und wirklich gut!) spielt.
An unserem ersten Tag haben wir uns die Stadt angesehen und uns nach Tagestouren erkundigt. Wir haben eine für den nächsten Tag gebucht und sind durch Straßen, Läden und über Plazas geschlendert. Ab und an sind wir zum Essen in einem Restaurant oder Café eingekehrt und haben den Tag und das kühlere Wetter genossen.

Unsere erste Tagestour hat uns an drei Ojos de Agua geführt. Unser Guide Juan hat uns direkt adoptiert und über die Ojos erzählt. Diese "Wasseraugen" sind kreisrund und oft deutlich kleiner als Cenoten. Sie entstehen auf erdigem Boden statt Fels und sind nur selten tiefer als eineinhalb Meter.
Wir waren wenig beeindruckt von den Wasserbecken. Zum einen haben sie stark nach Schwefel gerochen, zum anderen waren sie deutlich kleiner und unspektakulärer als die Cenoten die wir nun schon kannten. Außerdem gab es Affen!



Die kleinen behändigen Tiere, die wie Waschbären aussahen waren an Besucher so gewöhnt, dass wir sie gar nicht gestört haben. Im Gegenteil: Sie haben geduldig gewartet, bis jemand in Wasser gegangen ist und seinen Rucksack zurückgelassen hat und haben diesen dann geöffnet und durchsucht. Ganz schön clever. Aber auch sehr lustig. Und die Taschenkontrolle am Eingang hat sich dann auch erklärt.
Auf dem Weg zurück zum Bus wollte Juan uns etwas zeigen. Er hat uns hinter dem Parkplatz zu einem Baum geführt, uns gesagt dass wir leise sein müssen und dann nach oben gezeigt. Schräg über uns hing eine ca drei Meter lange Schlange im Baum und hat geschlafen.



Juan hat uns erzählt, dass es eine Giftschlange ist, aber danach haben andere gesagt, dass es aufgrund der Kopfform, dem Körperbau und der Größe nur eine Würgeschlange sein kann. Wir haben Fotos gemacht und sie in Ruhe gelassen.
Unser nächster Halt war bei den Flamingos. Da gerade nicht wirklich ihre Zeit war haben nur wenige aus der Ferne sehen können.
Also sind wir zu den Salzfeldern gefahren. Dort wird das Meerwasser in flache Becken geleitet und dann gewartet, bis das Wasser verdunstet. In dem Wasser finden sich die gleichen Organismen, die auch die Flamingos fressen, weshalb das Wasser und das dort geförderte Salz einen leichten Pinkstich hatten.



Wir durften barfuss in eins der Becken gehen und man konnte merken, wie das Wasser sich nach ein paar Sekunden deutlich wärmer angefühlt hat, als es eigentlich war, weil die hohe Konzentration von Mineralien im Wasser die Durchblutung der Beine so sehr angeregt hat.
Juan hat uns erzählt, dass die Mineralien dazu geführt haben, dass die Mayas für ihre Statur außergewöhnlich stark und leistungsfähig waren. Trotzdem war das Trinken aus den Becken nicht empfohlen. Wir mussten uns sogar die Beine mit Frischwasser abspülen, weil das Salz sonst die Haut zu sehr ausgetrocknet hätte.
Unser letzter Halt war in einem Restaurant an der Strandpromenade von Progreso. Wir haben mit den Füßen im Sand gespielt und ein sehr spätes Mittagessen gegessen. Leider war es an diesem Tag zu windig zum Baden und ich habe auch nur ganz kurz bis zum Knie in den Wellen gestanden.
Dann sind wir die Promenade abgelaufen, haben Fotos von den großen Buchstaben gemacht, die es in jedem Touristischen Ort gibt, und haben dann eine Schaukel gefunden und die Aussicht genossen.
Am nächsten Tag war unser Ruhetag. Wir haben ausgeschlafen, sind geschlendert, haben gespielt und Touren für die nächsten zwei Tage gebucht.

Die erste hat uns erst in eine Cenote geführt, klein aber fein, viel besser als die Ojos zwei Tage zuvor. Danach sind wir mit Juan 2.0 (er hatte sich nicht vorgestellt und wir haben Juan vermisst) nach Uxmal (gesprochen: usch-MALL) gefahren. Eine Mayastätte, die uns von allen Einheimischen empfohlen wurde. Wir wollten eigentlich Chichèn Itzà (gesprochen: Tschi-tschen IT-za) sehen, eine Mayastätte, die eins der neuen sieben Weltwunder ist. Aber jeder hat uns gesagt, dass Uxmal viel schöner und weniger überrannt ist. Außerdem kann man dort auch auf die Pyramiden steigen, und das wollte ich unbedingt. Also haben wir uns mit Juan 2 und einigen anderen Reisenden in den Minibus gesetzt und sind losgefahren.
Uxmal ist beeindruckend. Schon vom Eingang aus kann man die erste Pyramide sehen.



Auf die darf man zwar nicht, aber auf alle anderen. Umgeben von Urwald sind wir über die Jahrtausende alten Steine gestiegen, auf Bauten so hoch wie ein vierstöckiges Haus, und über das Spielfeld eines Mayastadions. Die Mayas hatten nämlich ihre eigene Version von Fußball. Nur dass es eher Hüftball war. Der Ball wurde mit Hüfte, Oberschenkel, Torso oder Schuler hin und hergespielt mit dem Ziel, ihn durch einen erschreckend kleinen Ring über den Zuschauern zu befördern. Oft wurde dieses Spiel als Opfergabe gehalten. Oder wie ein Gladiatorenspiel um die Massen mit dem Tod von Gefangenen nach dem Spiel zu unterhalten.
Was mich am meisten beeindruckt hat, ist wie gut die Wandrelieffe noch erhalten sind. Man kann die Vögel, Schlangen und Götter noch gut erkennen, als wäre sie aus dem letzten Jahrhundert.









Nach einem gemütlichen Mittagessen sind wir in ein Schokoladenmuseum gefahren, das ganz in der Nähe war. Dort war die Ausstellung in verschiedenen Hütten (eine für den Anbau des Kakaos, eine für die religiöse Bedeutung, eine für den medizinischen Nutzen etc.). Zwischen den Hütten ist man auf einem Pfad durch den Urwald gelaufen. Dort gab es am Wegrand Gehege. Darin wohnen Affen, Alligatoren, Jaguare und verschiedene Vögel, die aus Privatzoos von Wilderern und reichen Leuten gerettet wurden, aber nicht in der Lage wären, in der Wildnis zu überleben. So haben sie ihren natürlichen Lebensraum und Menschen, die sich um sie kümmern. Die Affen konnte man sogar füttern. Wie in einem Streichelzoo gab es einen Automaten mit Futter. Wenn etwas außerhalb des Geheges auf den Boden gefallen ist, haben die Affen mit ihren Schwänzen danach gefasst und es so doch noch bekommen.
Wir haben auch an einer Kakaozeremonie von Nachfahren der Mayas teilnehmen dürfen. Dabei wurden Kräuter verbrannt, Götter angerufen und Tierlaute imitiert. Bis auf die Tierlaute hätte es auch ein Open Air-Gottesdienst sein können.
Wir haben auch eine Präsentation des Verarbeitungsprozesses von Kakao gesehen und durften fast alle Zwischenstufen kosten. Zuerst die rohe Bohne, dann geröstet und schließlich gemahlen. Wir haben einen typischen Mayakakao bekommen (Wasser mit gemahlenem Kakao) und durften ihn uns würzen, wie wir wollten. Mit Chilli und Gewürzen wie die Mayas, mit Zucker und Zimt wie die europäische Aristokratie im Barock oder Allspice wie die Amerikaner).
Nach einem kurzen Halt im Museumsshop (natürlich!) sind wir zurück nach Uxmal gefahren und haben eine Lichtershow gesehen. In den Ruinen. Auf einem Podest vor einem der Herrenhäuser waren nun Stühle mit Blick auf den Rest der Anlage aufgebaut. Wir haben die Geschichte vom Bau bis zum Fall Uxmals erzählt bekommen. Währenddessen sind die verschiedenen Bauten, von denen gerade erzählt wurde, in buntem Licht aufgeleuchtet.



Es war sehr eindrucksvoll, muss aber die Tiere im Urwald unglaublich stören.
Am nächsten Tag mussten wir noch einmal alles aus unserem Urlaub rausholen. Es war unser letzter Urlaubstag und unsere letzte Tour. Wir haben sehr lange überlegt, ob der einzig wahre erste Juan wieder dabei sein würde oder nicht. Und dann stand er mit dem Bus vor der Tür und hat uns (und davor schon andere) abgeholt. Er hat sich mindestens genauso sehr gefreut uns zu sehen.
Gemeinsam sind wir nach Mayapan (gesprochen: ma-ja-PAHN) gefahren. Eine Inkastätte, die zwar wunderschön, aber weniger beeindruckend als Uxmal ist. Dort sind wir wieder auf alle Pyramiden gestiegen, haben das Wetter genossen und die Beständigkeit der alten Architektur bewundert.







Danach sind wir zu einem Ort mit drei großen Cenoten gefahren. Dort wurden wir von sehr wackeligen Kutschen vom Eingang zum Wasser gefahren. Die erste Cenote war länglich, die zweite hat durch den Lichteinfall fast blau geleuchtet und die dritte war nach oben hin offen. S hatte langsam genug vom Schwimmen und ist nach oben bis an den Rand gegangen, um Luftaufnahmen zu machen, aber dann wurde sie von einem Securitymenschen weggescheucht.




Auf diesem Bild ist übrigens eine kleine Hannah versteckt. Wer sie findet darf sich freuen =)

Nach einem schnellen Essen war es schon wieder Zeit für die Heimfahrt. Es war zwar kein aufregender letzter Urlaubstag, aber ein schöner.

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Mittwoch, 26. Februar 2020
Tulum - Cenoten
Das neue Jahr haben wir mit einer Tour durch vier Cenoten (gesprochen: ßenoten) gefeiert.
Cenoten (auf englisch Sinkholes, Sinklöcher) sind natürlich entstandene Wasserbecken, die mit Süsswasser gefüllt sind. Als der Komet, der die Dinosaurier getötet hat, in den Golf von Mexiko eingeschlagen ist, ist eine riesige Flutwelle entstanden, die über das Land gerollt ist. Dort hat sich das Wasser teilweise in den Boden gefressen und hat beim zurückfließen Sedimente mit sich genommen. So sind unterirdische Hohlräume entstanden, teilweise mehrere hundert Meter lang und tief, die sich mit Grundwasser gefüllt haben. Ab und an lockern Wurzeln den Boden so weit auf, dass die Decke einer Cenote einstürzt und sie entdeckt wird. Experten vermuten, dass es noch ca 100.000 unentdeckte, verschlossene Cenoten im Südosten Mexikos gibt.
Die bereits enteckten Cenoten sind oftmal große Touristenattraktionen. Und das wollten wir sehen.
Wir sind also früh am Morgen (mit Badesachen natürlich!) zur Casa Tortuga gefahren, dort gibt es vier Cenoten zu besichtigen.
Wir haben Schwimmwesten und Taucherbrillen bekommen und sind mit einer peruanischen Familie, einem amerikanischen Mittvierziger und unserem Guide losgelaufen. Die Cenoten liegen im Urwald, aber nach ein paar Minuten Fussweg waren bei bei der ersten angekommen. Dort war ein Loch voll klarem Wasser im hellen Fels, auf den ersten Blick nicht tief, aber der felsige Boden und das klare Wasser täuschen. Wir sind unter dem Fels entlanggeschwommen und sind am anderen Ende wieder herausgekommen. In der zweiten Cenote haben wir Stalakmiten gesehen. Sie sind entstanden, bevor sich die Höhle mit Wasser gefüllt hat. Und es gab Fledemäuse, die die Dunkelheit geniessen. Wenn nur nicht immer diese Touris mit ihren Taschenlampen wären... Aber wir haben sie weiterschlafen lassen.
Nach der nächsten Cenote wurden wir von riesigen Bäumen empfangen, deren Wurzeln wir schon in der Cenote selbst gesehen haben.
Die letzte Cenote war nicht mehr überdacht. Bananenförmig und ca 120 Meter lang war sie eine ideale Badestelle.



Hier war das Wasser auch nicht tief. Nur an einer Stelle war das Wasser tief genug, um aus 4 Meter Höhe reinzuspringen. Und das habe ich gemacht. Es hat einige Überwindung gekostet, aber das war es absolut wert.
Als wir so einmal die Cenote entlanggeschwommen sind, wussten wir noch nicht, dass wir am nächsten Tag wieder dort sein würden...
Am nächsten Tag fand nämlich mein persönliches Jahreshighlight statt.
Wir haben uns morgens in der Innenstadt von Tulum mit einer professionellen Meerjungfrau getroffen, um einen Meerjungfrauenschwimmkurs mitzumachen. Geschminkt und geschmückt hat sie uns abgeholt und gemeinsam sind wir wieder zur Casa Tortuga gefahren. Dort haben schon drei weitere Kursteilnehmer auf uns gewartet: eine Reiseleiterin mit Spezialisierung auf Mexiko, die sehen wollte, ob sie den Kurs mit in ihr Angebot aufnehmen möchte und zwei Fotografinnen die offiziell Fotos für ihre Website machen wollte, aber eigentlich nur auch mal Meerjungfrauen sein wollten.
Zuerst haben wir an Land ein paar Trockenübungen gemacht und dann direkt jede eine sogenannte Monoflosse anbekommen. Das ist eine Taucherflosse, bei der beide Füße in der gleichen Flosse sind und es so wie eine Fischflosse aussieht.



Wir konnten ein bisschen mit der Flosse in einem Becken am Ende der Cenote üben, weil das Schwimmen und Tauchen mit "zusammengebundenen" Füssen ganz anders ist.
Als wir keine Schwimmnudeln mehr brauchten sind wir aus dem Wasser gegangen und haben unsere Stoffflossen bekommen. Die zieht man über die Schwimmflosse uns Beine bis hoch zur Hüfte. Wie bei einer Meerjungfrau eben. Da unsere Meerjungmama früher Stylistin war, näht sie alle Flossen selbst. Und farblich passende Oberteile natürlich auch! Außerdem hatte sie für jede auch eine farblich passende Kette. So hatten wir nun eine Regenbogenmeerjungfrau, eine schwarze Meerjungfrau, eine hellblaue Meerjungfrau, eine perlmutt-schimmernde Meerjungfrau (S) und eine dunkelblaue Meerjungfrau (mich!). Als wir unsere Farben hatten wurden uns Netzstrumpfhosen über das Gesicht gezogen. Dann hat unsere Meerjungmama mit Schwämmchen Schminke auf unsere Gesichter getupft. Wenn man die Strumpfhose dann wieder abnimmt, hat man nämlich Schuppen im Gesicht.
Wir sind nun als echte Meerjungfrauen ins Wasser geglitten (eher gerutscht, aber das klingt nicht so gut) und sind dann umhergeschwommen.
Als ich mich sicher genug gefühlt habe bin ich aus dem Becken die Bananenkrümmung der Cenote entlanggeschwommen. Aus der anderen Richtung kamen mir Schnorchler entgegen. Erst als sie rechts und links an mir vorbeischwommen, haben sie mich bemerkt. Zeitgleich sind sie aufgetaucht, haben sich angesehen und "Meerjungfrau!" gesagt. Und wie auf Kommando kam direkt die hellblaue Meerjungfrau auf einer aufblasbaren Muschel um die Ecke getrieben und hat gewunken wie eine Disneyprinzessin.
Erst hatte ich Sorge, dass wir komisch angeguckt werden, aber alle haben sich gefreut mal etwas anderes zu sehen, als immer nur Touris in Taucherbrillen.
Ich bin die Banane mehrmals abgeschwommen und hatte viel Spass. Nach einer Weile haben wir uns alle auf dem Meerjungfrauenfelsen getroffen. Das war ein Steinbrocken, der halb unter und halb über Wasser lag und so flach war, dass man auch mit Flosse draufrobben konnte. Wir haben Gruppen- und Einzelfotos gemacht und den Tag genossen.






Die viereinhalb Stunden waren viel zu schnell um und als wir alle wieder an Land waren haben wir unsere Meerjungfrauenzertifikate bekommen. Ganz offiziell.
Ich hatte so viel Spaß, dass ich gefragt habe, ob ich nicht am nächsten Tag wiederkommen könnte. Und ich durfte!
Es ging in eine andere Cenote. Diese war deutlich tiefer (26 Meter statt 1,5), aber ich war ja keine Anfängerin mehr und habe bewiesen, dass ich nicht untergehe.
Neben mir war nur eine Britin dabei, weshalb wir das Schminken gelassen haben und gleich ins Wasser gegangen sind.
Ich habe gelernt, wie man unter Wasser eine Rückwärtsrolle macht (das konnte ich als Kind schon und habe es scheinbar nie verlernt, aber jetzt kann ich es auch mit Flosse) und wie man kopfüber senkrecht im Wasser steht und mit seiner Flosse über Wasser winkt ohne unterzugehen.
Ich hatte auch meine Taucherbrille dabei. So habe ich viel Zeit damit verbracht, mit die Cenote anzusehen. Die vielen Risse im hellen Stein, durch die kleine und grosse Wurzeln ragen; die vielen kleinen Fische die an den Stellen, wo das Sonnenlicht ins Wasser fällt, wie Silbermünzen glitzern und der Baum, der die Cenote vor mehreren Jahrzehnten hat einstürzen lassen, der noch heute auf dem Grund liegt.

Zeit im Wasser vergeht viel zu schnell. Ich weiss nicht wie und ich weiss nicht warum, aber so ist es.

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Dienstag, 11. Februar 2020
Tulum - Silvesterabend
Zurück im Hotel haben wir geduscht, uns umgezogen und uns dann mit V getroffen, die mittlerweile auch in Tulum angekommen war.
Wir haben versucht, an Silvester ohne Reservierung einen Tisch in einem Restaurant zu bekommen. Das war schwieriger als gedacht, aber nach ca. eineinhalb Stunden rumlaufen, suchen, fragen und waren hatten wir einen Tisch in einem tollen Restaurant.
Wir haben gegessen, geredet, gelacht und den Abend genossen.
Dann wollten wir natürlich feiern! Die meisten Lokale waren aber entweder voll, viel zu laut oder um neun noch gar nicht offen. Wir haben einen Laden mit mexikanischen Schnickschnack gefunden, der nach hinten hin ein Restaurant / Cafe / Bar wurde, mit kleinem Garten und allem.
Wir haben beschlossen wiederzukommen, falls wir nichts anderes finden.
Nach ca zwei Stunden gemütlichem aber erfolglosem Umherlaufens sind wir in das Ladencafe/-Restaurant/-Bar zurückgekehrt. Und wurden direkt von einer der Besitzerinnen angesprochen. Sie hat uns erzählt, dass das Projekt der Traum von ihren besten Freundinnen und ihr ist. Die fünf Frauen haben das Geschäft gegründet und ihre Männer in die Küche (bzw hinter die Bar) geschickt. Gelebter Feminismus sozusagen.
Wir hatten gerade angefangen, über Gott und die Welt zu sprechen, als eine mikrofonverstärkte Stimme durch den Garten hallte.
"Ihr kommt gerade pünktlich zum Ritual!", hat unsere neue Freundin gesagt, uns an einen Tisch im Garten geschoben, ihrem Mann gesagt wir brauchen Cocktails und Mezcal und jeder von uns ein Bündel in die Hand gedrückt.
Wir wurden von einer der Besitzerinnen (in einem knallgelben Kleid) durch das Neujahrsritual geführt. Zuerst haben wir mit den Kräutern aus unseren Bündeln die Angst und schlechten Gedanken aus unserem Körper gestrichen. Danach haben wir uns mit Liebe für andere und uns selbst bestrichen, mit einer Rose. Die Rose an den Lippen bringt liebe Worte, die Rose auf den Augen einen Blick für das Schöne in der Welt, die Rose auf den Ohren bringt gute Nachrichten und die Rose auf dem Herzen Liebe für die Welt. Als nächstes haben wir unsere Kerzen angezündet, auf dass wir immer das Licht und das Gute sehen. Damit wurde das Räucherstäbchen angezündet, für Glück im Überfluss und letztendlich ein Zimtstab für Geld.
Nach dem Ritual wurde getanzt. Ein DJ hat Elektromusik gespielt und wurde dabei von einem Trommler auf diversen Trommeln begleitet. Eine kleine zarte Frau, sang dazu mit einer rauchigen Stimme wie Amy Winehouse. Die Leute dort waren alle so nett, wir haben uns sehr gut mit allen verstanden. Irgendwann wanderten auch Rasseln und andere Percussioninstrumente über die Tanzfläche, jeder durfte mal.
Kurz vor Mitternacht hat jeder einen Teller mit zehn Trauben in die Hand bekommen. Kurz vor zwölf wurden die Trauben nacheinander gegessen, jede von einem Wunsch begleitet. Dann wurde bis Null runtergezählt und nach eineinhalb Minuten Feuerwerk wurde wieder getanzt als wäre nichts gewesen.
Unsere leeren Gläser wurden immer wieder gegen volle ausgetauscht, ohne dass wir etwas sagen mussten. Irgendwann haben V und ich uns angesehen. Wir hatten keine Ahnung, wie viel das ganze kostete! V meinte dann "Und wenn jeder Drink 500 Pesos (ca 25 Euro) kostet, das ist es mir heute Abend wert." Und weil die Stimmung so toll war, und die Leute so nett, und der Laden so schön und wir schon ein bisschen was getrunken hatten, habe ich ihr zugestimmt.
Als der DJ seine Sachen gepackt hat ist erst S zum Hotel zurückgekehrt (wir hatten ja für den nächsten Morgen eine Tour gebucht!) und ich auch nicht lange danach. Letztendlich habe ich keine 20 Euro für S und mich bezahlt. Es war ein grossartiger Abend!

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Donnerstag, 6. Februar 2020
Tulum - der erste Tag
Nach einer Nacht in Cancun sind wir mit dem Bus nach Tulum gefahren. Ich hatte über die Stadt nur positive Dinge gehört. Im Gegensatz zu Oaxaca gibt es dort Strand wie auf der Isla Mujeres und im Gegensatz zur Isla Mujeres gibt es etwas zu sehen wie in Oaxaca. Das beste von beiden so zu sagen.
Unser Hotel war ca. eine Minute Fussweg vom Busbahnhof entfernt. Also haben wir eingecheckt, Badesachen rausgesucht und zuerst Eisessen gegangen. Wir haben einen Laden gefunden, wo man sich gefrorenes Obst und/oder gefrorene Kekse aussucht und dann daraus ein Eis gemacht bekommt. Man darf sogar zusehen, wie oben die Zutaten verschwinden und unten Eis rauskommt. Wie bei einer sehr coolen Saftpresse.
Danach sind wir mit einem kleinen Shuttlebus zum Strand gefahren. Mitlerweile ging aber schon langsam die Sonne unter und wir sind noch schnell in eine winzige, etwa knietiefe Bucht gelaufen, um wenigstens die Bikinis zu rechtfertigen. Danach haben wir uns den Sonnenuntergang angeschaut (und natürlich fotografiert). Der Rest des Strandes war sehr steinig und krautig, also für den nächsten Tag abgewählt.
Schön war es trotzdem.



Wir sind zurück in die Stadt gefahren, haben Burger zum Abendbrot gegessen, sind ins Bett gegangen, und dann war auch schon Silvester.
Ich habe so etwas ähnliches wie ausgeschlafen und nach einem kurzen Frühstück haben wir uns Fahrräder gemietet! Das war wirklich toll, endlich wieder Fahrrad zu fahren und so sind wir mit Wind in den Haaren nach nordosten, aus der Stadt geradelt bis wir nach wenigen Kilometern rechts abgebogen sind. Schon ging es über einen riesigen Parkplatz, durch alle möglichen Tourifallen (denen man auf dem Rad gut ausweichen kann, darum haben wir nichts gekauft), ein bisschen durch die Buschernei und schliesslich zur großen archäologischen Stätte von Tulum. Wir sind ein Stück weit in den Urwald gelaufen, vorbei an Wasserverkäufern und Affen, die eher wie Waschbären aussahen. Auf dem Gelände haben wir Tempel gesehen, Herrenhäuser und Paläste und - womit wir überhaupt nicht gerechnet haben - einen Badestrand.










Man musste nur eine Holztreppe hinabsteigen und schon konnte man sein Handtuch ausbreiten. Viele haben das Angebot angenommen, weil es wirlich warm und sonnig war, aber wir sind stark geblieben. Wir hatten schon Strandpläne für später.
Nach vielen historischen Gebäuden und Leguanen sind wir zu unseren Fahrrädern zurückgekehrt und wollten an den Strand fahren. Das haben wir aber nicht ohne Unterbrechung geschafft, weil wir unterwegs noch eine Cenotentour für den nächsten Tag gebucht haben. Wir wussten nicht ganz, was uns erwarten würde, aber M hatte mir die Tour sehr empfohlen (sie war nur wenige Tage vor uns in Tulum).
Mit unseren Tickets für den ersten Tag des neuen Jahres in der Tasche haben wir es dann doch endlich zum Strand geschafft. Und der war so, wie man sich die Karibik vorstellt. Beziehungsweise so, wie ich es auf der Isla Mujeres schon hatte. Weisser Sand, türkises Meer, blauer Himmel und natürlich Palmen.
Wir haben gebadet, gelesen und Rätselspiele gespielt. Ein wirklich gemütlicher Tag!

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Mittwoch, 29. Januar 2020
Isla Mujeres
Nach einem gemütlichen Frühstück in Oaxaca haben wir uns in den Flieger gesetzt und sind nach Cancun geflogen. Dort sind wir vom Flughafen mit dem Bus in die Stadt gefahren und dann in ein Taxi gestiegen. Mit dem sind wir zum Fährhafen gefahren, haben uns auf das Oberdeck der nächsten Fähre gesetzt und sind zur Isla Mujeres gefahren. Dort haben wir schon vom Boot aus die bilderbuchweißen Strände und das helltürkise Wasser gesehen. Aber die Sonne war schon dabei, unterzugehen. Also sind wir in unsere Unterkunft gefahren und haben versucht einen Laden zu finden, der am 25.12. nach um 8 Uhr abends noch geöffnet hat. Wir waren dabei nur semierfolgreich, haben aber trotzdem Zutaten für Reis mit Tomatensoße ergattern können. Zum ersten Mal seit einer Woche konnten wir endlich wieder etwas Selbstgekochtes essen.
Am nächsten Tag ging es an den Strand. Wir haben kurze Hosen und leichte T-Shirts angezogen (Badesachen drunter!), Handtücher in unsere Rucksäcke gestopft, ein Buch und eine Wasserflasche dazu und los ging es.
Wir sind ca 2 Kilometer an der Ostküste, die zum Meer schaut, gelaufen um zum Strand zu kommen. Es sah aus wie auf Postkarten. Das Wasser war hellblau, der Himmel auch, der Schaum auf den Wellen weiss und ab und an saß ein Leguan auf einem Felsen. Sehr fotogen.





An unserem Ziel angekommen sind wir zuerst den ganzen Strand abgelaufen um den besten Platz zu finden. Und das haben wir. Am Horizont konnte man das Festland sehen, bis dahin nur Wasser. Und hinter uns keine Strandbar mit lauter Musik. Dort haben wir uns hingelegt und die Wärme genossen. Natürlich mussten wir auch ins Wasser gehen. Es hatte ideale Abkühltemperatur. Nicht zu warm und nicht zu kalt.



Als es dunkel wurde haben wir ein Restaurant in der Nähe gesucht und gefunden. Mit vollen Bäuchen sind wir dann im Supermarkt einkaufen gegangen und haben am Abend auf dem Bett einen Film geschaut. Am nächsten Tag haben wir ungefähr das gleiche gemacht.
Der dritte Tag war unser Umzugstag. Wir haben spontan beschlossen, noch ein bis zwei Tage auf der Insel zu bleiben und so haben wir unsere Sachen gepackt und sind in ein Hostel mit Beach Bar gezogen. Von dort aus sind wir zur Punta Sur glaufen, der Südspitze der Insel. Dort gibt es Felsen statt Strand, viel Grün und natürlich viele Touristen. Die Echsen waren davon relativ unbeeindruckt.



Den Abend haben wir auf Liegesäcken am Meereszugang unseres Hostels verbracht. Leider war dort das Wasser flach wie am Balaton und der Boden zu krautig um gemütlich reinzulaufen, bis es tiefer wird. Also war dieser Strand für den nächsten Tag abgewählt.
Am nächsten Morgen haben sich unsere Wege vorübergehend getrennt. V ist zu einem anderen Inselabenteuer aufgebrochen, ich bin noch einen Tag geblieben. Ausschlafen, Strand, Buch, gutes Essen, im Bett noch lesen, Urlaubsstimmung, Sonnenuntergang.



Bei meiner Abreise von der Isla Mujeres habe ich am Fähranleger gemerkt, dass ich meine Jacke (meine Lieblingsjacke und die einzige, die ich dabeihatte) im Hostel liegengelassen haben muss. Also habe ich versucht, die Hafenaufseher davon zu überzeugen, mich in ca einer halben Stunde mit meinem bereits entwerteten Ticket (und meiner Jacke!) noch einmal durchzulassen. Aber sie sind hart geblieben. Ich musste ein neues Ticket kaufen. Also bin ich mit dem Taxi zum Hostel gefahren, habe meine Jacke geholt und bin mit einem anderen Taxi zurück zur Fähre gefahren. Der Taxifahrer war nett und hat mich gefragt, ob ich nicht meinen Job kündigen und auf der Insel Englischkurse geben möchte. Ich war sehr versucht, auf der Stelle zuzusagen. Die Isla Mujeres ist wirklich wunderschön.

Auf dem Festland in Cancun angekommen hab ich in dem Hostel eingecheckt, dass S für uns reserviert hatte. Ein Meerjungfrauenhostel (Merkt euch das mit den Meerjungfrauen, die werden noch wichtig)! Ich habe sie vom Flughafen abgeholt, wir waren etwas essen und sind beide müde und Bett gefallen

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Mittwoch, 22. Januar 2020
Oaxaca
Die erste knappe Woche meiner Weihnachtsferien habe ich in Oaxaca (gesprochen: o-ah-HAK-ka) verbracht. Ich hatte keine Vorstellung von der Stadt, aber jedes Mal, wenn ich Leuten gesagt habe, wohin ich fahre wurde mir erzählt, wie schön es dort ist.
Trotzdem habe ich mich ohne vorhergehende Recherche mit V in den Flieger gesetzt und bin in den Süden des Landes geflogen, um die Stadt kenenzulernen.
Wir haben gegen 11 in unserem Hostel eingecheckt und sind in Richtung Innenstadt gelaufen. In der Nähe des botanischen Gartens haben wir ein wunderschönes Cafe gefunden, in dem man im Garten unter einem Rankendach frühstücken konnte. Danach sind wir durch die Stadt gelaufen und haben die Sonne, die Menschen, die kleinen Lädchen und die Weihnachtsmarktstände, die nicht ganz zu allem passen wollten, erkundet. Es gab sogar Marktstände, an denen man Insekten als Snack kaufen konnte!



Am nächsten Tag war ich krank. Trotzdem haben wir eine Stadtführung mitgemacht, bei der wir unter anderem zwei Blechwerkstätten besucht haben. Aus Blech wird hier viel Dekoration gemacht, alles von Hand!


Wir waren auch bei einem der ältesten Nieve-Ständen (gesprochen: nie-JE-we) des Landes! Nieve ist hier eine Art Wassereis. Es hat die Konsistenz eines lockeren Schneeballs und kommt in allen denkbaren Geschmacksrichtungen.
Wir haben auch eine Tagestour gemacht, mein persönliches Highlight in Oaxaca. Zum einen ging es mir schon viel besser, zum anderen gab es viel zu viel Spannendes zu sehen. Wir haben eine Webstube besucht und gesehen, wie die Wolle mit natürlichen Mitteln wie Erde, Pflanzen und Insekten gefärbt wird.



Auch wie genau die Menschen dort weben konnten wir sehen. In dem kleinen Ort leben fast ausschliesslich Weber und die Kinder werden ab 6 Jahren auch an den Webstuhl gesetzt. Erst zum lernen, dann auch zum arbeiten.



Danach ging es für uns zu einer Mezcal-Brennerei. Mezcal (gesprochen: mess-KALL) ist dem Tequila sehr ähnlich (ich glaube sogar eine Vorstufe davon) und im südlichen Teil Mexikos sehr beliebt. Uns wurden verschiedene Agavenarten gezeigt, wie die Blätter entfernt werden, wo die Strünke (die wie riesige Tannenzapfen aussehen) gekocht werden, wo das ganze gemahlen wird und dann gährt, bevor es zwei mal destilliert wird. Natürlich gab es danach eine Verkostung verschiedenster Mezcals.
Anschliessend sind wir zu El Tule gefahren, dem ältesten Baum des Landes. Sehr gross, sehr eindrucksvoll, aber es standen auch viele Touristen drum herum.



Danach ging es nach Mitla. Dort haben wir eine Mayaruine besucht. Da es die erste war, die ich je gesehen habe, war es sehr eindrucksvoll, aber in den nächsten Wochen haben ich noch deutlich beeindruckendere gesehen. Trotzdem: Es war wunderschön und wir konnten in einen der Grabtunnel steigen.



Als letztes ging es nach Hierve EL Agua. Den Ort den alle besuchen, die nach Oaxaca reisen. An einer Felskannte gibt es natürliche Becken, die ineinander übergehen und von warmen Quellen gespeist werden. Perfekt zum baden also (wenn man nicht noch mit dem Rest einer Erkältung kämpft).






Und vor allem: Von den Becken aus hat man einen tollen Blick auf einen versteinerten Wasserfall. Als wir da waren ging genau dahinter die Sonne unter. Darum sind die Fotos nicht so schön geworden, wie es eigentlich aussah. Nach einer Viertelstunde Treppensteigerei sind wir bis an das versteinerte Wasser herangekommen. Das Wasser, dass direkt aus dem Berg kommt enthält so viele Minerale, dass diese sich aufeinander lagern und so seit Jahrtausenden den versteinerten Wasserfall bilden. Im Prinzip wie Stalakmiten und Stalaktiten, nur deutlich eindrucksvoller.





An unserem letzten Tag waren wir im botanischen Garten. Dort gibt es hauptsächlich Sukkulenten, aber auch Bäume mit Stachelrinde zu sehen. Uns wurde erzählt, dass das Grundstück, auf dem heute der botanische Garten steht, eigentlich ein Parkplatz werden sollte. Daraufhin hat sich eine Bürgerinitiative mit gegründet, die es geschafft hat, die Stadt von der Idee zu überzeugen, auf dem Gelände alle Pflanzenspezien aus dem Bundesstaat zu sammeln. Heute haben sie schon über 60% zusammen.



Berühmt ist der Garten vor allem für seinen Kakteengang. Hunderte von Kakteen säumen einen Weg der zu einem kleinen Teich (dem "Spiegel") führt. Dort werden so gut wie alle Hochzeitsfotos der Stadt gemacht, weil es tatsächlich wunderschön ist. Wenn einem nicht gerade ein Tourist ins Bild läuft natürlich.



Am Abend haben wir bei einem Italiener auf der Dachterasse Pizza gegessen und auf den Weihnachtsbaum des Marktplatzes geschaut.
Ein guter Start in den Urlaub.

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Dienstag, 17. Dezember 2019
Was mein Leben reicher macht 3
Ein Abend mit Freunden, an dem jeder seine edelsten Sachen anzieht und sich stärker schminkt als jemals zuvor. Ein Abend für den man sein Wohnzimmer mit Meerjungfrauen dekoriert, weil sich kein Mitbewohner darüber aufregen kann. Ein Abend wie gemacht für Straßentacos und Polaroidfotos. An dem man tanzt und singt und Karten spielt und pinken Tequila trinkt.
Solche Abende braucht man mehr.

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Donnerstag, 12. Dezember 2019
Was mein Leben reicher macht 2
Heute bin ich nach 7 Stunden Unterrricht und eineinhalb Stunden Jahrgangsstufenkoordination ins Cafe in der Nähe der Schule gegangen, wo einige Freundinnen schon am Tisch saßen und auf ihre Getränke warteten. Wir haben über die Schule geredet, über Ferienpläne, Wochenendpläne und mehr. Ich habe es sehr genossen an meiner hausgemachten Limonade zu nippen, den perfekt gewürzten Salat zu essen und in meinen Avocado-Hummus-Bagel zu beißen. Und das unter Palmen und blauem Himmel, umgeben von tollen Menschen.
Wir wollen daraus eine Tradition machen. Ich freue mich schon darauf.

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Montag, 9. Dezember 2019
Was mein Leben reicher macht 1
Mexikanische Straßenmusiker, die zu dritt in der Fußgängerzone die Stücke aus Amelie spielen und einen in Gedanken zur Familie an den Abendbrotstisch setzen, wo ab sieben Filmmusik bei Klassikradio läuft.


Das richtige Wetter für einen Tag in der Stadt. Nicht zu warm, nicht zu kalt, eine sanfte Briese und viele kleine Wolken die die Sonne davon abhalten, uns zu verbrennen.


Teetrinken mit Freundinnen unter Papierlaternen, an Tischen mit Mosaikfliesen mit Kellnerinnen die kichern wenn man sagt, man hat ganz vergessen in die Karte zu schauen.
Später wiederkommen um zu sehen, dass nun zwischen den Laternen Lichterketten leuchten. Pastaessen ohne dass der Gesprächsstoff ausgeht, selbst nicht auf der einstündigen Rückfahrt. Und wissen, dass man sich morgen wiedersieht.

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Leere
Ich weiß, dass ich viel zu unregelmäßig schreibe. Wenn ich nach 7 Stunden Unterricht nach Hause komme habe ich aber nicht mehr wirklich Lust darauf, noch mehr Inhalt zu produzieren. Gleichzeitig weiß ich jedoch, dass ich gern durch alte Blogeinträge scrolle und mir durchlese, was ich beispielsweise auf Sizilien gemacht habe. Darum nehme ich mir jetzt offiziell vor, in den Ferien jeden zweiten Tag einen Blogeintrag zu schreiben.
Hier sind ein paar Themen, die mir einfallen für den Fall, dass an dem Tag nichts blogbares passiert ist:

Ajijic (Tagestrip an einen See)
Día de los muertos (mexikanischer Feiertag)
Tlaquepaque (sehr schöner Stadtteil)
Auf der Post (das war wie im Film)
Weihnachtsfeiern /-basare (eine steht noch aus)
Einrichten meines Hauses (eine ewige Baustelle)

Wer noch andere Vorschläge hat darf sie gern einreichen (Koriander hat sich Schulgeschichten gewünscht, die werden immer mal eingestreut).
Aber ich habe mir noch etwas anderes, langfristiges überlegt. Etwas was hoffentlich dazu führt, dass hier immer mal wieder etwas Neues steht. In der Zeit (der Zeitung) gibt (gab?) es eine Rubrik namens "Was das Leben reicher macht". Soetwas möchte ich auch machen. Da kann ich auch nur einen oder zwei Sätze schreiben, freue mich, und ihr habt einen kleinen Einblick in schöne Momente in meinem Leben. Also fange ich gleich damit an.

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Montag, 18. November 2019
San Luis Potosi
Ich habe einen Hüttenkoller bekommen. Dass ich zum Dìa de los Muertos nicht weggefahren bin und alle Festlichkeiten verpasst habe, habe ich mir immer noch nicht verziehen. Also habe ich laut verkündet, dass ich über das lange Wochenende wegfahren muss. Die Alternative wäre eine Rumpelstilzchen-Aktion gewesen bei der ich so lange frustriert aufgestampft hätte, bis der Boden mich verschlingt.
Miriam hat das verstanden und gemeinsam haben wir einen Trip nach San Luis Potosi gebucht. Rechtzeitig. Bevor mir wieder jemand absagen kann.
Am Samstag Mittag sind wir also in den Bus gestiegen und viereinhalb Stunden nach Norden gefahren. Am Fenster sind flache Ebenen, raue Bergketten, einige Seen und natürlich Kalteen an uns vorbeigezogen.
In SLP angekommen sind wir zu unserer Unterkunft gegangen La Casa Azul, das blaue Haus. Es lag direkt am Zenrum war gemütlich eingerichtet. Wir haben es tatsächlich danach ausgesucht, wie es im Internet aussah. Am liebsten hätten wir Küche und Bad eingepackt und mitgenommen.



In SLP selbst gibt es außer einem Zentrum mit vielen Plazas nicht viel zu sehen, auch nicht wenn man mit dem Turibus fährt. Das Umland soll sehr schön sein, aber dafür muss man mindestens 3 Tage einplanen und die hatten wir nicht. Also sind wir durch die Stadt gebummelt, haben in Buchläden gestöbert und uns die Leute angeschaut.




Dass die Stadt deutlich nördlicher liegt als Guadalajara war es genau das richtige Wetter für meinen lila Chapati-Mantel. Ich war sehr glücklich darüber und warte jetzt auf die Mantel-Saison in GDL.
Wir waren zweimal im gleichen quietschrosa Cafe gefrühstückt und da passte mein Mantel sehr gut rein, ich habe mich ein bisschen wie Barbie gefühlt.

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Mittwoch, 16. Oktober 2019
Fotos
Es gibt Fotos die ich schön finde, die aber in keine ganze Geschichte passen. Darum bekommt ihr sie jetzt mit einer kleinen Erklärung und ohne Zusammenhang als Entschuldigung für die lange Sendepause.





Eine Freundin, die auch neu an der Schule ist, ist für die ersten Wochen bei einem Kollegen untergekommen. Letzte Woche hat sie uns eingeladen mitzukommen, weil sie uns etwas geben wollte. Als wir den Garten gesehen haben konnten wir nicht verstehen, warum sie dort ausziehen will.




Von einem Haus ins nächste. Auf diesem Bild sieht man meine Einweihungsparty. Statt Lampe habe ich eine lange Lichterkette im Wohnzimmer und an meinem ersten Abend im eigenen Haus habe ich Mi und G eingeladen. Wir haben Tequila mit Kaffeegeschmack, den ich in Cholula gekauft habe getrunken, Erdnussflips gegessen und viel Spaß gehabt.




Auf einem meiner wenigen Stadtspaziergänge bin ich durch diese Straße gekommen. Auf einem Netz lagen bunte, halbdurchsichtige Schwimmreifen, durch die die Sonne schien und Kreise auf den Boden gemalt hat.






Das Theater (oben) und die Kathedrale von Guadalajara bei Nacht. So tolle Fotos kann mein Telefon machen, ich bin sehr glücklich =)


Ich hoffe, ihr habt einen wunderschönen Tag!

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Dienstag, 15. Oktober 2019
Puebla. oder: Am Po der Welt
Die Schule hat mich und andere neue Lehrer auf eine Fortbildung nach Puebla geschickt. Also haben wir unsere Koffer gepackt und sind in den Flieger gestiegen.
Da die Fortbildung von Montag bis Mittwoch ging haben wir beschlossen, schon am Samstagmorgen zu fliegen um uns am Wochenende die Stadt ansehen zu können. Da die Direktflüge zwischen Guadalajara und Puebla aber nur sehr früh am Morgen und sehr spät am Abend gehen, sind wir um 9 Uhr morgens nach Mexiko Stadt geflogen und dann mit dem Bus nach Puebla gefahren. Auf der Fahrt haben wir Schlaf nachgeholt und Johnny English 3 auf Spanisch geschaut.
In Puebla haben wir in unserem Hostel eingecheckt. Die Schule hat die Hotelkosten erst ab Sonntag übernommen und wir brauchten keinen großen Luxus. Der Besitzer des Hostels hat uns sogar aufs Dach gelassen und uns die Stadt von oben gezeigt! Wir haben in einem Fünferzimmer geschlafen und es hat sich wie eine Pyjamaparty angefühlt, weil wir sowieso schon gute Freundinnen waren.
Zum späten Mittag / frühen Abendessen sind wir ins Zentrum gegangen und haben ein Restaurant mit Terrasse und Blick auf den Domplatz gefunden. Wir hatten sogar Livemusik! Auf der anderen Straßenseite hat ein toller Sopran Arien gesungen, nicht zu laut, nicht zu dramatisch, sondern genau richtig. Dann ist auch noch die Sonne untergegangen und die Lichter, die teilweise noch vom Unabhängigkeitstag hingen wurden angemacht.



Da es Samstag war haben wir nach einem Ort zum Tanzen gesucht aber keinen gefunden. So sind wir irgendwann in einem Café gelandet, wo es auch nach 22 Uhr noch heiße Schokolade und Churros gab. Also haben wir zugeschlagen.



Danach waren wir so voll und warm, dass wir beschlossen haben, zurück ins Hostel zu gehen und zu schlafen.
Am nächsten Tag sind wir nach Cholula, ein Pueblo Magico gefahren. Den Titel Magisches Dorf bekommen besonders schöne Dörfer verliehen. Ich vermute, dass es hauptsächlich extrem touristische Dörfer sind, aber es gibt trotzdem etwas zu sehen. In Cholula sind das: viele Läden, eine Kirche, die die Spanier auf einer Mayaruine errichtet haben, Reste der Mayaruine und einen tollen Blick auf den Popocatepetl.
Zuerst sind wir den Hügel hinauf zur Kirche gestiegen, da man von dort den Vulkan, den Popocatepetl am besten sehen konnte.



Wir hatten auch einen tollen Blick über die Stadt.
Auf dem Weg nach untern hat ein alter Mann mir Sonnenblumenkerne gegeben, damit ich die Eichhörnchen füttern konnte. Sie haben direkt aus der Hand gegessen!
Als nächstes sind wir durch enge Tunnel zu dem gelaufen, was von den Maya-Pyramiden noch übrig war. Es gibt auch einen oberirdischen Weg, aber wir wollten das ganze Erlebnis. Die Tunnel waren zur gleichen Zeit wie die Pyramiden erbaut worden und waren gerade hoch genug, dass ich aufrecht durchlaufen konnte.
Von den Pyramiden war nicht mehr viel übrig, es brauchte einiges an Vorstellungskraft um in den Stufen und Schächten Plätze und Tempel zu sehen. Oben drüber auf dem Berg thronte die Kirche der Kolonialherren als deutliches Symbol der Unterdrückung der alten Völker durch die westliche Welt.



Trotzdem gab es noch einen Platz, der von Stufen begrenzt war. Man hätte es leicht für ein antikes Fußballstadion halten können. Als wir uns dem Platz genähert haben, ist uns aufgefallen, dass die Leute dort klatschten. Ich habe angenommen das sei ein alter Brauch, um den Göttern der Mayas Respekt zu zollen aber als wir näher kamen fiel uns auf, dass das Echo des Klatschens seltsam klang. Wie Möwen. Ich weiß nicht wie, aber die Anordnung der Stufen, in denen horizontale Schlitze waren, haben den Schall derart verzerrt, dass es wie an der Nordsee klang. Venn einer der Physiker, die das hier lesen das erklären kann, wäre ich sehr dankbar.
Als nächstes haben wir eine Treppe gefunden, die tatsächlich nach Pyramide aussah und sogar bestiegen werden durfte. Ich habe mich gefühlt wie im Zwergenreich aus dem Herrn der Ringe, wo die Stufen deutlich höher als tief waren und man nur seinen halben Fuß absetzen konnte.


(Wer das orange Tuch findet, hat mich auch gefunden!)

Von dort aus ging es auf einen großen Platz, wo sich vier Männer kopfüber von einem Pfahl haben fallen lassen und dann in kreisenden Bewegungen langsam gen Boden geschwebt sind. Dabei hat einer von ihnen Flöte gespielt. Ich habe gelernt, dass das eigentlich ein Ritual aus dem Norden ist und keiner konnte mir erklären, warum es an diesem Tag in Chulula stattgefunden hat.
Nach einem ausgiebigen Mittagessen und Abstechern in ein paar Läden sind wir zurück nach Puebla gefahren und haben unser Gepäck ins Hotel gebracht. Wir waren sehr überwältigt vom Kontrast zwischen dem Hostel, dass so gemütlich war und dem Hotel. Statt einem Fünfbettzimmer für alle hatten wir nun jede ein Vierbettzimmer für uns allein. Und alles war so edel, wir haben uns kaum getraut etwas anzufassen.




Mein Zimmer hatte sogar ein Fenster!

Am Montagmorgen hat uns ein Bus vom Hotel abgeholt und zur Deutschen Schule in Puebla gefahren. Wir haben Lehrer aus allen deutschen Schulen in Mexiko getroffen und viel gelernt.
Danach waren wir so erschöpft, dass wir eine Pause brauchten. Gleichzeitig wollten wir aber so viel wie möglich von Puebla sehen. Also haben wir uns in einen Touribus gesetzt und durch die Stadt fahren lassen.



Wir sind durch viele Straßen mit bunten Häusern gefahren, vorbei an Kirchen und Wandgemälden und rauf auf eine Aussichtsplattform, wo der Bus angehalten hat, damit wir Fotos machen konnten.



Nach einem kleinen Abstecher in die Shoppingmeile sind wir in ein Restaurant gegangen, dass für seine Poblanische Küche bekannt war. Ich habe Chile en nogada bestellt. Und es war nicht, was ich erwartet hatte. Ich habe es mir wie gefüllte Paprika mit Sahnesoße vorgestellt und theoretisch war es das auch, ABER: die Paprika war gefüllt mit Nüssen und Rosinen, die Soße war noch süßer und das Essen wurde lauwarm serviert.



Hätte ich gewusst, was mich erwartet wäre das kein Problem gewesen, aber mit Weihnachten zum Abendbrot hatte ich nicht gerechnet. Danach brauchte ich noch etwas Herzhaftes und habe kurzentschlossen an der Ecke noch eine Tüte Chips gekauft, die ich dann doch nicht mehr gegessen habe.
Der nächste Tag war noch länger. Wir haben nach der Fortbildung eine halbe Stunde im Hotel gehabt und sind dann gemeinsam mit den Lehrern der anderen Schulen Essen gegangen. Wir hatten einen sehr gemütlichen Abend mit tollen (nicht süßen!) Essen.
Mittwoch war unser letzter Tag. Wir sind nach den Seminaren direkt in die Stadt gegangen und sind mit einer Seilbahn gefahren, die wir vom Touribus aus gesehen hatten. Wir hatten einen tollen Blick über die Stadt, auf den Po(pocatepetl) und die umliegenden Berge.





Zum krönenden Abschluss waren wir gemeinsam Sushiessen, bevor wir ein Taxi zum Flughafen bestellt haben.

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Montag, 9. September 2019
Regenzeit
Es ist Regenzeit in Jalisco. Das heißt alle ein bis zwei Tage regnet ein bis vier Mal, meistens aber nachts, da stört es mich nicht. Wenn es aber tagsüber regnet, dann nervt das.
Es schüttet nämlich, und zwar so richtig. Riesige Tropfen fallen in Massen herab, meist von Donner und Blitzen begleitet. Mehr als ich es in Deutschland je erlebt habe. Das ist nervig wenn man gerade unterwegs ist. Zumal der Verkehr dadurch teilweise lahmgelegt wird. Es gibt nämlich kein Ablaufsystem für das Wasser. Dafür aber Schlaglöcher, in denen es sich sammelt, überläuft und ganze Straßen kniehoch flutet. Alle fahren dann aus Respekt von den ständigen Schlaglöchern und Bremsschwellen nur noch im Schritttempo, wenn überhaupt.
Als Fußgänger hat man fast direkt verloren. Zumindest wenn kann keine Zeit/ Möglichkeit hat, sich unterzustellen und 20 bis 60 Minuten zu warten. Außerdem kommt man dann immer noch nur mit nassen Schuhen (und evtl. Hosen) ans Ziel.
Wer bei Regen das „Glück“ hat, im Bus zu sein kann nach ca. fünf Minuten nicht mehr aus dem Fenster schauen, weil die hohe Luftfeuchtigkeit die Scheiben massiv beschlägt.
Ich hatte die Situation vorhin. Als ich im Bus auf dem Weg nach Hause saß, fing es an zu regnen. Weil ich nicht richtig aus dem Fenster sehen konnte und es im Bus keine Anzeigetafeln gibt, bin ich zu früh ausgestiegen. Zwischen mir und der anderen Straßenseite Floss ein reißender Bach, der normalerweise nicht da ist. Bei schönem Wetter ist das eine Einfahrt. Normalerweise hätte mir das nichts ausgemacht, aber ich habe diese Woche mit einer Erkältung zu tun gehabt, die ich endlich loswerden will. Also kamen Durchs-Wasser-Waten und Heidendöpen nicht in Frage. Ich habe mir für den letzten Kilometer ein Uber (eine Art Taxi) gerufen. Als der Fahrer da war hatte es schon nur noch genieselt und als er mit mir den Bach überquert hatte kam sofort die Sonne raus. Es gab keinerlei Pfützen oder Ströme, die Fußwege waren sogar schon wieder trocken. All das innerhalb von zwei Minuten. Der Fahrer dachte wahrscheinlich ich wäre bescheuert, dass ich mir für diese kurze Strecke ein Uber rufe und im Nachhinein denke ich das auch. Aber ich kann ja schlecht jemanden bestellen, damit er mich nur über eine großen Pfütze auf die andere Straßenseite fährt…
Ich kam also nach vier Minuten trocken und bei strahlendem Sonnenschein zuhause an. Ich habe den Laptop hochgefahren um über das Wetter zu schreiben und bevor ich mein Schreibprogramm öffnen konnte donnerte es wieder und die Tropfen klatschten auf das Dach im Patio wie Applaus in einer Konzerthalle.
Bei so einem Regen hilft kein Regenschirm. Nur drinnen sitzen und warmen Kakao trinken.

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